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O'zapft is – Tracht und Tradition auf dem Oktoberfest  

 

Das Oktoberfest ist ein urbayerischer Klassiker – geradeso wie das Weißbier, die Lederhose, das Dirndl und natürlich der Haferlschuh. Und darum lebt und liebt jeder echte Bayer, der auf sich hält, diese fest in der bayerischen Kollektivseele verankerten Kulturgüter ebenso selbstverständlich wie leidenschaftlich – wenn er das vermutlich auch so nie sagen würde. 

Doch auch der nicht-bayerische Rest der Welt ist beim Oktoberfest und den anderen bayerischen Spezialitäten keineswegs emotions- oder meinungslos. Denn tatsächlich pilgern nun schon seit über hundert Jahren alljährlich im Herbst Millionen von in- und ausländischen Besuchern in die Bayernmetropole, um mindestens vorübergehend ein Bayer zu sein, kräftig mit zu feiern und in den Festzelten auf Tuchfühlung mit bayerischem Brauchtum zu gehen. 

Natürlich ist nicht jeder von diesem Volksfest der Superlative restlos begeistert. So grantelt immer mal wieder der eine oder andere: Das Oktoberfest sei zu einem bayerischen Ballermann, einem zweiten Fasching und insgesamt zu einem Massenbesäufnis heruntergekommen. Auch habe es mit echtem bayerischem Brauchtum nur mehr wenig zu tun. Die enorme Anziehungskraft der Wiesn, als weltweit größtes Volksfest seiner Art bleibt davon nichtsdestotrotz unberührt, und selbst schrille Kritik konnte diesem Münchner Super-Event mit signifikant erhöhter Dichte an Dirndl-, Lederhosen-, Haferlschuh- und Trachten-Trägerinnen und -Trägern noch nie etwas anhaben. Das Oktoberfest ist und bleibt für die Besucher aus dem In- und Ausland der Inbegriff bayerischer Lebensart und eine Riesengaudi.

Historische Postkarte Berge, Bier, Trachten, ca. 1900

Historische Postkarte Berge, Bier, Trachten, ca. 1900

Immerhin gibt es seit 2010 auch noch die „Oide Wiesn“. Usprünglich zum zweihundertjährigen Jubiläum des Volksfests ins Leben gerufen, haben die Münchner sich hier auf die historischen Wurzeln des Oktoberfests besonnen. Das kam allgemein sehr gut an und wurde darum kurzerhand auf Dauer gestellt. So lassen die Münchner nun alljährlich auf schlanken fünf Hektar am Südende der Theresienwiese in einer überschaubaren Parallel-Wiesn die gute alte Zeit wieder aufleben. Mit anderen Worten: Oktoberfest-Tradition wird hier noch ein kleines bisschen höher gehängt als auf der regulären Wiesn - und auch so präsentiert. So kann man hier verschiedene Plattler-Tanzdarbietungen bewundern, stimmungsvolle Aufführungen der Sternpolka oder auch den historischen Schefflertanz. Natürlich alles in originaler Tracht, von der Dirndlbluse über die Lederhose und den Janker bis zum Haferlschuh. Die elektrischen Fahrgeschäfte wie das Kettenkarrussel oder die Hexenschaukel, Zuckerwattestand und Steckerlfischbraterei sind auch schon etwas betagter, darum besonders hübsch und stimmen dezent nostalgisch. Selbst die Blaskapellen kommen auf der Oiden Wiesn – zumeist jedenfalls - ohne moderne Lautsprecherverstärkung aus. Kurz, auf dem ganzen Oide Wiesn-Areal und natürlich besonders in den Festzelten „Tradition“, „Herzkasperl“ oder „Schönheitskönigin“ liebt man es noch etwas echter als echt und am besten ganz so, wie es früher einmal war.

Er ist wieder da: der Trend zur Tracht – je mehr, je lieber und das nun schon seit einigen Jahren, dabei gerne auch mit einem kräftigen Schuss Fantasie. Doch auch hier setzt die Oide Wiesn neue Akzente. Denn hier sieht man noch deutlicher eine besondere Freude an traditionellen Formen und altem Handwerk. So zeigen die hier ausgeführten Lederhosen der Mannsbilder zum Teil echte Federkielstickerei, Dirndl glänzen durch traditionelle Stoffe. Auch zahlreiche Trachtenhüte der Buam schmückt ein Gamsbart oder der dekorative Adlerflaum. Während die eine oder andere Männerwade in urbayerischen Loferln steckt. Das sind dekorative gestrickte Wadlstrümpfe, die nackte Männerbeine ohne jede Fitness-Schinderei sofort strammer und trainierter erscheinen lassen. Zugleich lassen viele in bayerische Tracht gewandete Besucherinnen und Besucher auch bei der Fußbekleidung ihre Liebe zum Wahren, Schönen, Guten erkennen: Sie stehen häufig auf original zwiegenähten Haferlschuhen und Trachtenschuhen - anstatt auf Modellen mit angepappter Naht und Sohle, modischen Ballerinas oder – pfui Spucke - gar auf Turnschuhen. Aber wie schon der Lateiner entspannt formulierte: „suum cuique“ – ein jeder, wie er's mag.

Historisches Oktoberfest 1810Als einer der unbestrittenen Glanzpunkte des Oktoberfests ist auf jeden Fall der Einzug der Festwirte und Brauereien am Eröffnungstag zu nennen. Während das Fest selbst bekanntlich 1810 als Hochzeitsfeier von Kronprinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese gewissermaßen seine Uraufführung erlebte und sich dann zum alljährlich größer werdenden Volksfest entwickelte, geht der Einzug der Wiesnwirte als festlicher Auftakt zurück auf das Jahr 1887. Damals zog Hans Steyrer mit Personal, Pferdekutschen, Bierfässern und Musikkappelle als erster Wiesnwirt in feierlicher Prozession auf die Theresienwiese als Ort des Geschehens. Seit 1935 tun dies alle bayerischen Brauerein, die auf der Wiesn ausschenken. Der Einzug der Festwirte in seiner heutigen Form war geboren. Mit den regionalen Spielmannszügen und Musikkappellen stellt der Einzug aber zugleich eine eindrucksvolle Trachtenparade dar. Hopfengeschmückte Schaugespanne mit blauweißen Blumengestecken rollen am Publikum vorbei, das sich hier immer zahlreich einfindet, gezogen von Brabanter Rotschimmeln und normannischen Percherons – imposante Kaltblüter, die die schweren Bierfässer auch bewegen können. In glänzenden Prunkgeschirren erinnern sie an mittelalterliche Turnierpferde. Schwerer Hufschlag, das Schnalzen der Kutscherpeitschen und immer wieder neue vorbeiziehende Kappellen mit Blechbläsern, Querpfeifen und Trommeln und die allerschönsten Trachten, Trachten, Trachten aus allen Regionen Bayerns

Wer Bayern, seinen Qualitätssinn und seine Lebensart liebt, der sollte mindestens einmal auf dem Münchner Oktoberfest dabei gewesen sein, natürlich auf zwiegenähten echt urbayerischen Haferlschuhen, am besten von uns „Original Haferl“ in unverfälschter hochwertiger Manufakturfertigung.

 

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